Die Ruderriege auf Achse – USA Austausch Kalifornien

Am 1. Oktober um 8 Uhr geht es endlich los! Unsere Reisegruppe, bestehend aus 5 Schülerinnen, 15 Schülern und 3 Lehrern trifft sich am Osnabrücker Hauptbahnhof. 26 Stunden voller Umsteigen und Warten liegen vor uns: Von Osnabrück nach Düsseldorf, weiter nach London, von dort nach Los Angeles und zu guter Letzt nach Anaheim, eine Stadt in der Nähe von Los Angeles. Nach insgesamt 9.088 Reisekilometern kommen wir um 2 Uhr nachts erschöpft in unserem Hotel an.

Nach einer kurzen Nacht, an der auch der Jetlag nicht ganz unschuldig ist, geht es am ersten Tag ins Disneyland. Dort treffen wir auf viele bekannte Charaktere aus Film und Fernsehen und genießen die vielen Fahrgeschäfte.

Am nächsten Morgen verlassen wir Anaheim schon wieder und machen uns auf nach Newport Beach, einer kalifornischen Hafenstadt, direkt am Pazifik. Unsere erste Anlaufstelle dort: das Newport Aquatic Center (NAC), der Ruderclub, bei dem wir die nächsten 8 Tage zu Gast sein werden. Dort werden wir von Beth Anderson begrüßt. Beth ist eine der treuen Seelen des USA-Austausches und begleitet und organisiert diesen gemeinsam mit den Rats-Ruderprotektoren seit vielen Jahren. Nach einem Rundgang durch das Bootshaus geht es für uns auch schon ab in die Boote. Die erste Trainingseinheit führt uns bei bestem Sommerwetter vorbei an Palmen, Stränden, Traumhäusern und Yachten. Das besondere an dieser ersten Ausfahrt: anders als gewohnt legen wir nicht an einem Steg ab, sondern tragen unsere Boote zum Strand und steigen vom Wasser aus ein. Nach dem Training fahren wir zum Newport Beach Pier, der für seine hölzerne Seebrücke bekannt ist und gehen dort an den Strand. Zurück am NAC werden wir abends unseren Gastfamilien vorgestellt, bei denen wir die nächste Woche inklusive dem Wochenende verbringen werden.

Der nächste Tag beginnt für uns alle wieder am Bootshaus mit einer Trainingseinheit, wie auch die kommenden Wochentage. Danach zieht es uns wieder zum Meer, wo wir alle Sonne, Palmen und den typisch kalifornischen Strand genießen. Am nächsten Tag besuchen wir die Outlets at Orange, wo wir uns über die vielen Schnäppchen freuen und viele Dollars lassen. Dann steht das Wochenende vor der Tür, das wir alle mit unseren Gastfamilien und den unterschiedlichsten Erlebnissen verbringen – von Sightseeing bis Football ist alles dabei.

Die neue Woche starten wir mit einer schweißtreibenden Ergo-Einheit im NAC und einem Tagesausflug zur USS Midway nach San Diego. Die USS Midway ist ein Flugzeugträger der United States Navy und war im Vietnam- und Zweiten Golfkrieg im Einsatz. Seit 2004 ist die Midway als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Nach zwei weiteren Tagen, die wir mit Training und Strandbesuchen verbringen – u.a. am Huntington Beach, der mit seinen hohen Wellen einer der Surfer-Hotspots Kaliforniens ist – heißt es schon fast Abschied nehmen von Newport Beach. Für den letzten Tag haben wir uns zu einem gemeinsamen Training mit den Ruderern des Newport Sea Base Rowing, einem weiteren Ruderclub in Newport, verabredet. Der Kontakt der Ruderriege zu diesem Verein besteht schon seit einigen Jahren und James, einer der Trainer des Vereins, freut sich sehr über ein Wiedersehen mit den Rats-Protektoren und eine gemeinsame Trainingseinheit.

Am Donnerstag  geht unsere Reise weiter. 1.000 Kilometer gen Norden durch das kalifornische Inland zum Lake Tahoe, einem See auf der Grenze der US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch den Yosemite-Nationalpark. Der Nationalpark erstreckt sich entlang der westlichen Hänge der Sierra Nevada und ist u.a. berühmt für seine gigantischen Felsformationen. Nach dem Verkehr und den unzähligen Autos und Staus in und um Los Angeles ist die Fahrt durch den Yosemite eine willkommene Abwechslung. Bei vielen kleinen Stopps bewundern wir die malerische Landschaft und beeindruckende Naturkulisse. Nach 14 Stunden kommen wir dann endlich am Lake Tahoe an. Dort übernachten wir in einem großen und komfortablen Holzhaus, das uns großzügiger Weise von Rich Wendling, einem der amerikanischen Rudertrainer und treuen Weggefährten des Austausches, zur Verfügung gestellt wurde. Die gemeinsamen Abende im großen, gemütlichen Wohnzimmer des Hauses beim Kartenspiel und die klaren Nächte mit wunderschönem Sternenhimmel werden uns wohl allen in Erinnerung bleiben. Die Tage verbringen wir mit Wanderungen in der Gegend, wie zum Beispiel zur Emerald Bay. Inmitten der Emerald Bay liegt die Fannette Island, die einzige Insel im Lake Tahoe. Sie gehört zu den meistfotografierten Motiven der Gegend. Auch wir sorgen dafür, dass dies so bleibt.

Nach 2 Übernachtungen am Lake Tahoe reisen wir schon wieder ab und fahren nach San Francisco, der nächsten großen Station auf unserer Reise. Dort werden wir bei einem netten Barbecue von unseren Gastfamilien, den Ruderern und Coaches vom Pacific Rowing Club Willkommen geheißen. Nachdem in den Jahren zuvor immer in einem anderen Ruderclub in der Nähe von San Francisco gerudert wurde, ist der Besuch beim Pacific Rowing Club eine Besonderheit. Mit diesem Ruderverein wurde vor fast 35 Jahren der Ruderaustausch erstmalig auf die Beine gestellt. Einige der Akteure, die damals schon dabei waren, sind auch heute noch am Bootshaus zu finden und freuen sich über ein Wiedersehen mit den „Germans“.

Bei einer Rudereinheit am nächsten Morgen und den darauffolgenden Tagen, lernen wir das Ruderrevier des Pacific Rowing Clubs näher kennen, den Lake Merced. Sind wir vom Stichkanal zu Hause gewöhnt, bis zu 5 km am Stück auf dem Wasser rudern zu können, ist diese Rudereinheit für uns eher ungewöhnlich, denn der See hat nur eine Länge von ca. 1,7 km und bringt für uns das eine oder andere Wendemanöver mit sich.

Nach getaner Arbeit machen wir uns mittags immer auf den Weg, um die Attraktionen San Franciscos zu besuchen. Fisherman´s Wharf, eine Fahrt mit den berühmten Cable Cars, ein Besuch auf der ehemaligen Gefängnissinsel Alcatraz in der San Francisco Bay, ein Spaziergang über die Golden Gate Bridge oder ein Blick auf die Stadt vom Aussichtspunkt Twin Peaks sind dabei einige der Highlights, die die viertgrößte Stadt Kaliforniens für uns bereit hält. Aber nicht nur die Stadt, sondern auch das Umland beeindruckt uns. Ein Besuch im Muir Woods National Forrest bringt uns beim Anblick der bis zu 80 Meter hohen und oftmals über 500 Jahre alten Küstenmammutbäume zum Staunen. Das Wochenende verbringen wir in unseren Gastfamilien, auch dieses Mal wieder mit sehr unterschiedlichen Unternehmungen und Veranstaltungen von Radtouren über Footballspiele bis hin zu Homecoming-Bällen.

Nach dem Wochenende heißt es dann wieder Abschied nehmen. Der Abreisetag nähert sich langsam und wir fahren schon mal zurück in Richtung Los Angeles. Kaum in den Vans, halten wir jedoch bereits nach zwei Stunden an, um ein letztes Mal ausgiebig in einer der zahlreichen Outlet-Malls Amerikas zu shoppen. Am nächsten Tag geht es wieder auf den Freeway. Mit einem kurzen Zwischenhalt bei den drei ??? in Santa Barbara erreichen wir am Abend Los Angeles. Dort geht es am nächsten Morgen zum letzten Highlight unserer Reise: Die Universal Studios. Einen Tag lang dürfen wir in die Welt von Hollywood eintauchen und verschiedene Filmhighlights mal anders – zum Beispiel als Achterbahn mit 3D Effekten – erleben.

Bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Flughafen machen, besuchen wir vorher noch den berühmten Hollywood Walk of Fame, auf dem aktuell 2.648 Sterne eingelassen sind, die amerikanische Prominente ehren. Wir sind allerdings eher enttäuscht. Danach fahren wir zum bekannten Strand von Santa Monica, wo wir ein letztes Mal die Füße in den Pazifischen Ozean halten können. Durch Probleme mit unserem Flugzeug bleiben wir noch ein paar Stunden länger in Los Angeles als geplant und landen schließlich nach einem langen Reise und einer geänderten Reiseroute in Hannover anstatt in Düsseldorf. Müde und erschöpft kehren wir alle nach fast vier Wochen zurück nach Hause – glücklich, mit unvergesslichen Erinnerungen und ein paar Souvenirs im Gepäck.

Nach dieser wunderbaren Zeit möchten wir uns gerne an dieser Stelle noch einmal bei Herrn Ahrens, Herrn Funke und Herrn Adelski für die Ermöglichung dieser tollen Reise und der schönen Zeit, die wir hatten, bedanken.

(Veröffentlicht im Jahresbericht 2018 des Ratsgymnasium; Text: Philipp Böhme und Carla Kunze)

Rudern unter der Sonne Kaliforniens…

Dienstag, den 27. September trafen wir uns am Hauptbahnhof unserer Heimatstadt um die weite Reise ins warme Kalifornien anzutreten. Mit gefüllten Koffern und reichlich Vorfreude auf Sonne, Strand und Burger machten wir uns von Düsseldorf auf in die Lüfte. Nach knapp 12 Stunden Flug hatten wir endlich amerikanischen Boden unter den Füßen. Ausgelaugt von 9 Stunden Zeitunterschied begaben wir uns in unser Hotel, um uns für den morgigen Tag auszuruhen und Kräfte für den Besuch des berühmten Landes einer noch berühmteren Maus zu sammeln.

Nach diesem ersten Tag in Disneyland verlegten wir unsere Basis nach Newport im Süden der Stadt der Engel, wo wir das erste Mal auf kalifornische Ruderer trafen. Die Juniorinnen und Junioren von Newport Sea Base Rowing nahmen uns herzlich auf und zeigten uns ihr Ruderrevier und den Strand. Zwei Tage später verschlug es uns gemeinsam zum Lake Casitas, der olympischen Regattastrecke von 1984, wo wir gemeinsam campten und Tank-Top-Races auf der Kurzstrecke über 500m veranstalteten, so dass jeder Ruderer später ein Tank-Top der gegnerischen Mannschaft besaß. Sonntagabend stießen dann noch Jonathan und Johannes dazu, die bis dahin mit den anderen Schülern aus dem 12. Jahrgang auf ihren Kursfahrten fahren.

Rudern im Hafen von Oakland mit der Skyline von San Francisco im Hintergund

Nachdem die Truppe komplett war, bewegte sich der Konvoi aus weißen Vans Richtung Süden. San Diego, „America’s Finest City“, war unser nächstes Ziel. Der Besuch vom berühmten SeaWorld-Park an der Mission Bay war für uns obligatorisch, war er doch direkt an unserem dortigen Rudergewässer gelegen. Der San Diego Rowing Club, welcher mitten in der Mission Bay gelegen war und des Abends einen wunderbaren Sonnenuntergang zu bieten hatte, war für die nächsten 4 Tage unsere Anlaufstelle. Neben so schönen Aktivitäten, wie zum Beispiel im kühlen Pazifik schwimmen oder mit Sichtweite zur mexikanischen Grenze zu shoppen, gab es auch die anstrengenden Einheiten auf dem Wasser und dem Ergometer, welches uns trotz der sommerlichen Temperaturen nicht erspart blieb, um uns für die abschließende Regatta in Oakland vorzubereiten. Doch bevor wir das warme Südkalifornien verließen, besuchten wir noch einen Flugzeugträger der US-Marine, die „USS Midway“, welche uns alle überzeugte, dass wir definitiv nicht für den Dienst auf diesem Schiff gemacht seien (O-Ton Jonathan: Aua, schon wieder den Kopf gestoßen!!).

Freitags ging unsere Tour weiter. Wir machten uns auf den weiten Weg in die Bay Area, eine Fahrt von über acht Stunden auf einem schnurgeraden Highway, vorbei an riesigen Farmen und Feedlots. Am späten Nachmittag erreichten wir das Tidewater Boating Center, das Bootshaus der Oakland Strokes. Das Wochenende verbrachten wir jeweils mit unseren Gastfamilien, einige trafen sich zusammen und besuchten die „Fleet Week“, ein Event, mit dem die Amerikaner ihre Verbundenheit zu ihren Truppen zelebrieren.  Dort wurden Stunteinlagen durch die Kunstflieger dargebracht, von denen wir nur hätten träumen können. Die darauf folgende Woche war geprägt durch lange Ausdauereinheiten im Boot und auf dem Ergometer, doch wenn die morgendliche Arbeit getan war, warteten schon die Delikatessen einer Restaurantkette namens In-N-Out auf uns. Gestärkt besuchten wir die Golden Gate Bridge, Alcatraz und die University of California in Berkeley. Einzig die Fahrt auf einem der berühmten Cable Cars in San Francisco blieb uns verwehrt, für mehrere Stunden Schlange stehen hatte keiner von uns einen Nerv. Am Sonntag, den 16. Oktober war es soweit. Die regionalen Ruderclubs kamen in Oakland zum „Head of the Estuary“ zusammen, dem alljährlichen 5-Kilometer-Rennen auf dem Kanal in Oakland. Unser „Varsity Men’s Eight“ schlug sich gut, doch den ersten Achter der Oakland Strokes konnten sich nicht mehr einholen. Groß war die Freude, als sich später herausstellte, dass die Rivalen abgekürzt und deswegen eine Zeitstrafe bekommen hatten. Auch der Juniorinnen-Doppelvierer und unser Junioren-Doppelzweier schlugen sich gut und legten beachtliche Plätze vor anderen Achtern (!) hin.

San Francisco – unterhalb des Coit Tower

Mit diesen erfolgreichen Ergebnissen verabschiedeten wir uns am Montagmorgen von Oakland und fuhren Richtung Nordwesten. Lake Tahoe liegt direkt an der Grenze zum Bundesstaat Nevada, auf knapp 2.000 Metern Höhe. Dementsprechend kühler war das Wetter hier, doch das hielt uns nicht davon ab, ins eiskalte Wasser des Sees zu springen. Ein warmer Whirlpool glich unseren Wärmehaushalt danach wieder aus. Wenn man sich schon einmal in solch kalten Gefilden befindet, kann man auch gleich eine Schneeballschlacht veranstalten, dachten wir uns, und auf Einladung von Jimmy, einem guten Freund der Protektoren, fuhren wir mit der Seilbahn hoch auf die Skipisten des Squaw Valley, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1960. Mit so viel Schnee in Kalifornien hatten wir im Leben nicht gerechnet. Des Abends verfolgten wir die dritte „Presidential Debate“, in der wir mehr oder weniger amüsiert, den Äußerungen eines gewissen Donald T.s lauschten und uns über die genannten Positionen echauffierten.

Doch auch unser Aufenthalt in diesem wunderschönen Haus am Lake Tahoe war zeitlich begrenzt und so verließen wir Kalifornien, um durch Nevada von Osten her den Yosemite-Nationalpark zu durchqueren. Nach mehreren Stopps erreichten wir Merced, unsere Übernachtungsmöglichkeit auf dem Weg zur Küste. Von Merced aus fuhren wir nach Gilroy, in die größte Shopping-Mall Kaliforniens, wo wir unser restliches Geld investierten, bis nach Salinas, wenige Meilen vom weltberühmten Highway 101 entfernt. Dieser war wenige Meter über der Wasserlinie gelegen und so fuhren wir Stunden direkt am Pazifik vorbei. Die Nacht verbrachten wir in San Louis Obispo, dem letzten Halt vor Los Angeles. Unseren letzten Strandbesuch in Santa Barbara genossen wir alle noch einmal, in Hollywood würden wir nicht genug Zeit für einen weiteren Standbesuch haben.

Unser Hotel lag mitten im Herzen Hollywoods, wenige Meter vom berühmten Walk of Fame entfernt. Am letzten Tag besuchten wir die Universal Studios, wo wir neben den echten Filmstudios und Kulissen auch mehrere „Rides“ besuchen und riesige, tellergroße Donuts essen konnten.

Da die Herbstferien nun schon fast seit zwei Wochen vorbei waren und wir uns schon so langsam nach der Heimat sehnten, brachen wir nach einem letzten Lunch bei In-N-Out auf und gaben unsere Koffer, nachdem wir diese nochmal prüfend gewogen hatten, auf. Aufgrund des sogenannten „Jetstreams“ erreichten wir Düsseldorf nach 10 Stunden Flug und uns war seit einem Monat das erste Mal wieder kalt.

An dieser Stelle möchten wir noch ein weiteres Mal unseren Dank an Hartwig Ahrens, Marcus und Jan Funke aussprechen, dass sie diese Tour für uns möglich gemacht haben. Vielen Dank dafür!

(Veröffentlicht im Jahresbericht 2016 des Ratsgymnasiums; Text: Johannes Felsner)